Thermoablation

Hält der Erfolg einer Operation länger an als bei Thermoablation?

Vergleichsstudien haben gezeigt, dass das radikalere Vorgehen einer Operation auch langfristig keine Vorteile bringt. Der operative Eingriff in der Leiste und die darauffolgenden Heilungsvorgänge können die Entstehung neuer Venen (Neovaskularisationen) sogar begünstigen. Sie erfordern nicht selten weitere Behandlungen.

Kann man mit der Thermoablation auch stark geschlängelte Venen behandeln?

Oberflächliche, geschlängelte Astvarizen werden weder gestrippt noch thermisch behandelt. Man entfernt sie durch sogenannte Phlebektomien. Dazu sticht man etwa 1 mm grosse Schnitte in die Haut, führt ein Häkchen unter die Haut, angelt damit die Krampfader und entfernt sie aus dem Körper. Phlebektomien werden mit Thermoablation oder Stripping gleichermassen kombiniert. Statt der Phlebektomie kann man Astvarizen chemisch durch Sklerotherapie veröden, sowohl in Kombination mit Thermoablation als auch mit Stripping.

Funktioniert Thermoablation auch bei stark erweiterten Stammvenen?

Ja. Wir und auch andere Anwender haben Erfahrungen mit etwa 20 mm weiten Stammvenen. Solche Durchmesser kommen aber sehr selten vor, schätzungsweise bei einem Patienten von tausend.

Kann Thermoablation nur bei ausgewählten Patienten angewendet werden?

Nein. Dies ergibt sich schon daraus, dass in den USA heute praktisch alle Stammvenen durch Thermoablation behandelt werden. Die Stripping-Operation ist eine Rarität geworden.

Welchen Stellenwert hat das Verkleben insuffizienter Stammvenen?

Über einen Katheter wird ein Klebstoff (Cyanoacrylat) in die Vene gespritzt, was zu ihrem Verschluss führt. Diese Prozedur ist fast schmerzlos, falls auf die gleichzeitige Entfernung der Astvarizen verzichtet wird. Allerdings führt der Klebstoff bei etwa 15 % der Patienten zu schmerzhaften Venenentzündungen (Phlebitis). Langzeitresultate gibt es noch nicht. Zudem sind die Kosten bisher höher als bei Thermoablation.

Gibt es weitere neue Entwicklungen in der Behandlung von Krampfadern?

Thermoablation kann auch mit Wasserdampf vorgenommen werden, was aber kaum Vorteile bringt. Bei einer anderen Methode wird chemische Verödung (Sklerotherapie durch Alkohol) mit einer mechanischen Komponente ergänzt. Ein Katheter mit einem rotierenden Draht schädigt die innerste Schicht der Venenwand zusätzlich und begünstigt so den Verschluss. Diese Massnahme kommt fast ohne Lokal-Anästhesie aus, allerdings nur, wenn auf die gleichzeitige Entfernung der Astvarizen verzichtet wird.

Warum ist die Thermoablation nicht weiter verbreitet?

In den USA hat die Thermoablation die Stripping-Operation weitgehend verdrängt, in Grossbritannien und in den Niederlanden breitet sie sich rasch aus.
Die amerikanische Society for Vascular Surgery (SVS) und das American Venous Forum (AVF) haben bereits 2011 die Thermoablation zur bevorzugten Therapie der Stammvarikose erklärt.
Auch die aktuellen Richtlinien der ESVS (European Society for Vascular Society) und des NICE (U.K. National Institute for Health and Care Excellence) empfehlen an erster Stelle die Thermoablation.
In der Schweiz wird diese Behandlung seit dem 1 Januar 2016 durch die Grundversicherung gedeckt, nicht alle Spitäler oder Praxen verfügen jedoch über die nötige Erfahrung, um die Thermoablation erfolgreich durchzuführen.

Warum wird die Thermoablation vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) nicht gefördert?

Das BAG befürwortet im Prinzip die Übernahme der Kosten für Thermoablation durch die Grundversicherung. Zurzeit wird noch abgeklärt, welche Voraussetzung Ärzte erfüllen müssen, um sie abrechnen zu können.

Warum kommen einige alternative Verfahren ohne Lokalanästhesie aus?

Ein Verzicht auf Lokalanästhesie bedeutet immer auch den Verzicht auf Phlebektomien in gleicher Sitzung. Phlebektomien betrachten wir aber als wichtigen Bestandteil einer speditiven und erfolgreichen Behandlung.

Riskiert man bei der Thermoablation Verbrennungen der Haut?

Weltweit sind wenige Fälle bekannt, und sind auf mangelnde Erfahrung mit der Methode zurückzuführen. Entscheidend ist die sorgfältige Injektion von genügend Flüssigkeit bzw. Lokalanästhesie unter die Haut, um sie vor Erhitzung zu schützen. Wir haben bei rund 2000 Behandlungen mit Radiowellen keine Schädigung der Haut erlebt.